Im Zuge der Vorbereitungen des Projektes zur Judengedenkfeier am 26. Mai besuchte die Klasse 4B den zweiten jüdischen Friedhof. Die Schülerinnen setzten sich mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde der Stadt auseinander. Vor Ort erhielten sie vom Stadthistoriker Michael Schiestl Informationen über die Bedeutung des Friedhofs, die dort begrabenen Menschen sowie über jüdische Bräuche und Traditionen.
Nach den Vertreibungen am Ende des
Mittelalters siedelten sich im 19. Jahrhundert wieder einige jüdische Familien
in Judenburg an. Ab 1873 verfügten sie über einen eigenen Friedhof. Dieser
wurde nordöstlich von Judenburg, im damals unverbauten Hetzendorf errichtet.
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert lebten
rund 15 jüdische Familien in der Stadt. Die meisten waren Geschäftsleute und
verkauften Textilien, Gemischtwaren oder Altwaren. Ihre Wurzeln hatten sie
vielfach in anderen Teilen der Monarchie: in Böhmen, in Westungarn oder in
Galizien. Die Lebensverhältnisse dort waren so prekär, dass viele Menschen in
andere Teile des Reiches – darunter auch Judenburg – zogen. Sie verdienten sich
vielfach als Trödler oder Wanderhändler.
In den folgenden Jahren nahm der
Antisemitismus stetig zu und es gab bereits erste Ausschreitungen.
Bis 1938 gab es am jüdischen Friedhof ca. 40
Gräber. Dieser wurde 1942 verwüstet, viele Grabsteine abgetragen und als
Baumaterial weiterverwendet.
Heute gibt es dort nur noch wenige Gräber,
darunter jene drei Familien, die nach 1945 und damit nach dem Holocaust
wiederkamen: Gottlieb, Benedek und Rösler.
Auffällig ist, dass die Inschriften meist nur auf Deutsch angebracht wurden. Das zeugt von der starken Assimilierung des Judentums zur Jahrhundertwende, also das Anpassen an die Kultur der Mehrheitsgesellschaft.
Der Besuch bot den Jugendlichen eine
eindrucksvolle Möglichkeit, sich mit regionaler Geschichte, Erinnerungskultur
und den Folgen von Ausgrenzung und Verfolgung auseinanderzusetzen.